Public Relations ist keine Werbung

“Bitte spammen Sie Ihre Kunden nicht mit Werbung zu!”

Das war das erste Zitat auf dem Kongress des Deutschen Modeinstituts das bei mir hängen bliebt und dem ich nur begeistert zustimmen konnte. Und auch für uns als Selbstständige gilt dieses Zitat – denn wie gerne senden auch wir per E-Mail ein Angebot aus oder posten es bei Facebook & Co?! In diesem Fall machen wir auch Werbung, die aus meiner eigenen Erfahrung – ja, auch ich habe so was schon versucht – nicht funktioniert.

Neustarter, Selbstständige, Berufstätige, Coaches

Warum eigentlich nicht?

Da hilft uns unsere eigene Customer-Experience weiter. Was passiert, wenn wir in einen Laden gehen und sofort von einem Verkäufer “bedrängt” werden? Ganz genau – wir fühlen uns unwohl. Auch wenn ich nur “stöbern” möchte, stört mich dieses Verhalten. Zudem drückt es noch etwas aus: Bedürftigkeit.

 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das die schlechteste “Werbung” für unsere Dienstleistung ist – denn ich möchte einfach mit souveränen Trainern zusammenarbeiten, die sich nicht an mich klammern und mich als Rettung sehen. Durch ein solches Verhalten entwickele ich kein Kompetenz-Vertrauen. Dass bedeutet, ich kann nicht von jemandem lernen bzw. nur schlecht.

 

Im schlimmsten Fall verärgern wir auch die Menschen, die uns vertrauensvoll unsere E-Mail-Adresse gegeben haben. 

“Geldmachen steht nicht im Fokus der PR”

Der Kunde ist keine Cashcow – Werbung vermeiden, Public Relations ausbauen

Menschen kaufen bei Menschen und wenn wir unserer Kunden respektieren, kommen sie von alleine. Diesem Satz möchte ich zustimmen, denn ich merke immer wieder, wenn ich meine Hilfe & Unterstützung ohne Profitgedanken preisgebe, erhalte ich etwas das unbezahlbar ist: Vertrauen. Und ob ihrs glaubt oder nicht, dadurch ist der ein oder andere Kunde schon geblieben und hat mich weiterempfohlen. Letztendlich habe ich also “Geld gemacht” ohne es zu wollen. Genau das ist auch die Absicht der Public Relations also der Presse- & Öffentlichkeitsarbeit – sie ist kein Sprint, sondern ein Vertrauens-Marathon. Unsere Kunden dürfen uns Kennenlernen und sollen nicht bedrängt werden. Dann ist das “gute Gefühl” eh nicht vorhanden.

 

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“Wir müssen unseren Kunden Erlebnis-Momente kreieren”

 

Im Fokus des Zitats standen lokale Läden – und hier setzen die PR- & Marketingstrategen auf Erlebnis-Konzepte. Das heißt, dem Kunden einen Grund geben, lokale Läden aufzusuchen, anstatt online zu shoppen. Leichter gesagt als getan – ich glaube nicht. 

 

Ein Beispiel: Am Wochenende schlenderte ich mit meinem Freund eine Straße entlang in der ich ein süßes Café kenne. Ich wollte dort unbedingt einen Kaffee trinken. Als wir anschließend die Straße weiter entlangliefen waren wir überrascht – sie mausert sich mit kleinen Geschäftskonzepten unterschiedlicher Coleur zu einem kleinen Juwel. Besonders der Unverpacktladen mit Restaurant war ein Hingucker und Erlebnis.

 

Muss es daher kompliziert sein? Nein auch das denke ich nicht – wir dürfen nur nie die Bedürfnisse unserer Kunden aus den Augen verlieren. Ein Unverpacktladen funktioniert nicht in jeder Stadt. Genauso funktionieren gewisse Freebees, Programme oder Kurse nicht immer. Wenn wir es aber schaffen, dass der Kunde sich nachher besser als vorher fühlt, haben wir mehr Werbung für uns gemacht, als es Anzeigen & Co je können. 

“Sag dem Kunden wie du produzierst”

Warum? Ganz klar: Emotionen erwecken. Zeige deinen Kunden wie du produzierst – nimm in ein Stück mit auf deine Reise. Du sitzt (noch) zuhause und nähst? Zeig es – denn da macht dich sympatisch! Als Dienstleister oder Produzent von Dingen, reicht der USP nicht mehr aus – wir gewinnen viel mehr über den ESP. Dem emotionalen Alleinstellungsmerkmal. 

 

Auch wenn du ein faires Label hast, ist das ein Merkmal, dass du herausstellen solltest. Ich habe letztes Jahr die Mädels des Online-Shops Sinfinis dazu gepodcastet! Höre gerne in die Folge rein, wenn du mehr zur PR- & Marketing-Strategie erfahren möchtest!

“Ob du einen 150 € oder einen 1.500 € Mantel kaufst – die Kundenpflege ist die gleiche!”

Die “Großen” haben es ja eh leichter Kunden zu gewinnen – bei denen laufen die Angebote von selber. Stimmt nicht!

Warum haben Firmen wie Appel & Co ein riesiges PR-Budget? Sicherlich nicht, weil sie Geld verschenken wollen. Sondern weil diese Marken sich mit ihren Kunden entwickeln wollen – um den Anschluss nicht zu verlieren.

Ich weiß nicht ob es ein Hype ist, aber es „ploppt“ mit persönlich zu oft auf: Verlogene Challenges á la „In 6 Schritten zum Millionen-Business“ oder „Mit Facebook-Ads innerhalb 3 Wochen 100.000 € verdienen“.

Das nervt mich, da suggeriert wird, man müsse „nur ein bisschen“ PR & Marketing machen, um direkt danach Kunden und Erfolg zu haben. Einmal was gemacht und das Business läuft – einfach so und falls nicht, dann ist halt der Dienstleister Schuld. Doch das ist Wunschdenken und entspricht nicht der Realität. 

Ein Business aufzubauen ist vergleichbar mit einem Hausbau. Es braucht Vorbereitung, Zeit und PR-Pflege und zwar kontinuierlich. Diese Challenges reduzieren unsere kreative, strategische und trendorientierte Arbeit auf ein Minimum. Das finde ich respektlos, denn jahrelange Erfahrungen und kontinuierliche Weiterbildung werden auf eine 6 Wochen-Programm geschrumpft. 

 Viele meiner Kollegen*innen sehen das übrigens ähnlich. In der PR-Beratung bedeutet es, erst einmal Aufklärungsarbeit zu leisten. PR ist kein Zauberstab, sondern Arbeit. Erfolge zeichnen sich langfristig und mit dem Ergebnis ab, die Kundenbeziehung aufzubauen und zu festigen. Und ja, Public Relations darf leicht sein und Spaß machen – aber es ist nun mal kein Sprint, sondern ein effektiver Marathon.

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